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logo_wordcamp08 Es ist viertel nach vier und ich sitze im Zug zurück nach Kiel. Ich hoffe, dass ich jetzt genügend Zeit habe, um die Eindrücke der letzten 30 Stunden zusammenzufassen (… leider hat die Zeit nicht gereicht und ich komme erst jetzt dazu den Artikel zu vollenden 😉 ). Mein Fazit ziehe ich ausnahmsweise mal zu Beginn des Artikels: das WordCamp 2008 in Hamburg war für mich eine ausnahmslos lohnenswerte Veranstaltung!

Ausgesprochen interessant die Gesichter hinter den Blogs live zu sehen – auch wenn es manchmal einiges erforderte unter dem groß gedruckten Vornamen auf dem Teilnehmerschildern die jeweilige Homepageadresse auszuspähen. Passend dazu noch der kurze etwas skurrile Dialog bei meinem Eintreffen am Welcome Desk mit dem Empfangsherren Oliver als er mein Namensschild heraussuchte:

Oliver: "Bist du Magerfettstufe?"

Nils: "Nee, ich bin rausgebloggt."

Oliver: "Alles klar!"

Ich denke jeder Normalsterbliche hätte mit dem Wortwechsel wenig anfangen können 😉 .

Am Samstag hatte ich zwar die Idee selbst eine Session anzubieten, doch einerseits hatte ich mich nicht vorbereitet und andererseits kam ich am Sonntag erst kurz nach der Tagesorga im Stilwerk an. Darüber hinaus hatte ich gar keine Zeit, da es durchgängig interessante Sessions gab.

Wie bereits berichtet war eine der ersten von mir besuchten Sessions die von Vladimir Simovic (aka Perun) zum Thema "Weblogs und Usability". Ich fand es nicht ganz so interessant wie ich es mir erhofft hatte, da Perun sich thematisch an drei von ihm auf seinem Blog veröffentlichten Artikel zu dem Thema orientierte. Ich hatte bereits alle drei Artikel und die dazugehörigen Diskussionen verfolgt, so dass für mich keine neuen, sonderlich interessanten Aspekte zur Sprache kamen. Das hätte sicherlich einen Ausgleich in einer anschließenden Diskussion genommen. Leider wurde von Peruns Beitrag sehr schnell auf Danielas Vorstellung des Sandbox Themes übergeleitet, so dass die erhoffte Diskussionen ausblieb. Ich hatte den Eindruck, dass auch Danielas Thema durch die Zusammenlegung mit Peruns Vortrag weniger gut zur Geltung kam als es das verdient hätte. Für Interessierte hat Perun seine Infos zum Vortag als Download bereitgestellt.

Der "Vortrag zu Bloggen & Recht", den ich mir als nächstes gönnte war gleich als Doppelsession geplant, da Henning Krieg bereits auf anderen BarCamps die Erfahrung gemacht hat, dass das Thema dazu neigt die üblichen zeitlichen Grenzen zu sprengen. Zunächst war ich etwas skeptisch – nicht weil ich Henning keine Vortragsqualitäten zutraute oder weil ich das Thema für uninteressant hielt, sondern weil man (oder zumindest ich) in der Blogospäre bereits sehr viel zu den verschiedenen Rechtsthemen lesen konnte (Stichworte wie Marions Kochbuch, Niggemeyer, etc.). Doch überraschenderweise konnte Henning den verschiedenen mir bereits bekannten Themen jede Menge unbekannter Facetten abgewinnen. So viele, dass mir selbst die 1,5 Stunden zu kurz vorkamen. Auch Henning stellt seine Präsentation als Download zur Verfügung und gleichzeitig erfreulicherweise eine entsprechende Artikelserie in Aussicht.

Die Session von Lori Grosland eine Microsoft Mitarbeiterin befasste sich mit dem Desktop Blogeditor Windows Live Writer und Popfly. Während ich den WLW bereits selbst aktiv nutze und ich der Vorstellung so keine großen Neuigkeiten erfuhr, war die Popfly Vorstellung interessanter als ich erhofft hatte. Popfly kommt mir ein wenig wie Yahoo Pipes zum Mashup basteln vor. Ich werde mir den Dienst sicher nochmal genauer ansehen.

Am späteren Nachmittag wurde Wikio von der einzigen deutschen Mitarbeiterin vorgestellt. Auch wenn ich bemerkt habe, dass Wikio hier und dort mehrfach erwähnt wurde, so kannte ich den Dienst nicht. Wikio aggregiert Informationen und man kann sich seine Seiten selbst zusammenstellen. Ich habe mir den Dienst vorgemerkt um ihn zu testen.

Ein wenig enttäuscht war ich von der Vorstellung von FacePress. Einem SN Plugin für WordPRess, dass in zwei Versionen geben soll. Einmal als einfaches Plugin für WordPress mit dem man aus seinem Blog ein Social Network machen kann. Eine zweite Version soll in Verbindung mit dem FacePress Server eine blogübergreifendes Social Network ermöglichen, das einerseits die Bloguser und Blogs mehr miteinander vernetzt während der Dienst FacePress komplett im Hintergrund bleibt und so keine Besucher von den Blog abzieht. Der deutliche Mehrwert dieser Anwendung kam anscheinend bei den Teilnehmern nicht wirklich an. Ich denke die Grundidee ist nicht schlecht, die Präsentation fand nur etwas zu früh statt. Soweit ich das mitbekommen habe will man in ein paar Wochen eine Beta präsentieren. Es gibt allerdings bisher keine Website zum Projekt und auf dem WordCamp ging nach dem Vortag eine Liste zum Eintragen für Betainteressierte rum (sehr Real-Life-1.0-mäßig 😉 ).

Zum Ausklang des Samstages gab es als Weltpremiere eine Boglesung auf einem BarCamp. Wobei ich vom ersten Teil wenig mitbekam. Als zum Schluss MC Winkel seine zwei Blogbeiträge „Kid Creole²“ und „Mundgulli“ zum besten gab, musste ich aus mehreren Gründen schmunzeln. Einerseits ist er geographisch gesehen ein Blognachbar und seine Geschichten waren locker flockig und mit viel Humor geschrieben. Was mich allerdings viel mehr ansprach waren einige lokal/historischen Bezüge, in denen ich mich als gebürtiger Kieler mit meiner ebenfalls in den 80er Jahren absolvierten Adoleszenzzeit wiederfinden konnte.

Der Abend verbrachten wir dann im Oh, it’s Fresh, an deren gesamten kulinarischen Support des Camp’s nicht nur nichts auszusetzen war, sondern von mir das Prädikat empfehlenswert verliehen bekommt. Ich kannte niemanden persönlich auf der Un-Konferenz. Nachdem ich am Morgen ein paar Worte mit René Schönfeldt gewechselt hatte, kam ich erst nach den Sessions am Abend dazu mich mit Peter dem Fastagent und Jan dem Exilanten (wohnt als Norddeutscher in München) zu unterhalten. Die sehr gute musikalische Untermalung des Abends kam von der Band Captain Stubing and the Loveboats (auf MySpace kann man sich ein paar Songs anhören). Leider erhielt die Band durch die regen Gespräche un
d Diskussionen untereinander nicht die verdiente Aufmerksamkeit und spielte trotzdem wacker und ausdauernd durch den Abend.

Nach einem kurzen Stop im Hotel um Schlaf zu tanken ging es am Sonntag ab 11:00 Uhr weiter. In der ersten Session für die ich mich entschieden hatte, stellte Joachim Rumohr Tipps und Tricks vor, um das Xing Netzwerk konstruktiv geschäftlich und als Blogger zu nutzen. Er bietet normalerweise zu dem Thema ganze Seminartage und will diese Veranstaltung bald sogar auf zwei Tage ausdehnen. Ich dachte bei mir erstmal, dass ein Großteil der Informationen wohl dem Anfänger die Grundfunktionen von Xing näherbringen. Aber ich lag definitiv falsch. Bereits die Session hat mir einige sehr nützliche Tipps und Tricks für den Umgang mit Xing gezeigt und wenn die zeitliche Begrenzung nicht gewesen wäre, hätte Jochim sicherlich wirklich einen ganzen Tag nur zu dem Thema gestalten können ohne dass bei mir Langeweile aufgekommen wäre. Ich kann jedem angehenden oder bestehendem Xing Mitglied nur empfehlen zumindest einen Blick auf seinen Blog zu werfen (beispielsweise Der optimale Start mit XING). Ich persönlich überlege mir ernsthaft an einem seiner bundesweit angebotenen Seminare teilzunehmen.

Gleich im Anschluss referierte Nicole Simon zum Thema Mehrsprachigkeit in Blogs. Ich hatte eine mehr technisch ausgerichtete Information erwartet. Nicole ging aber mehr auf die menschlichen Aspekte bei dem Vorhaben mehrsprachig bzw. fremdsprachig zu bloggen ein. Von dem Unterfangen seine Framdsprachenfähigkeiten zunächst auf einen Stand zu bringen, der für einen akzeptable Qualität der Beiträge sorgt, über die Neuorientierung in einer anderen Sphäre als der bekannt heimischen bis zur Empfehlung der möglichst strikten Trennung verschiedensprachiger Beiträge spannte sich der Vertragsbogen. Nichts nervt einen User mehr als wenn er regelmäßig Artikel in seinem Feed vorfindet, die er nicht lesen kann. Also zumindest einen extra Feed für die Fremdsprachigen Artikel oder als Notlösung das Angebot einer Zusammenfassung des Artikels in der anderen Sprache. Insgesamt hat mir Nicole Mut gemacht aktiv mehr zu lernen, um meine Englischkenntnisse auf Veröffentlichungsniveau aufzupolieren. Danke!

Beim folgenden Mittagspause konnte ich mal wieder einem Blog mit einem Gesicht verbinden. Ich wechselte ein paar Worte mit René Tauchnitz. Nach dem wieder vorzüglichem Mittagessen kam nochmals Joachim zum Zuge. Diesmal mit der Vorstellung des Tools PhraseExpress. Ich selbst nutze seit einiger Zeit ac’tivAid, dass neben vielen anderen Tools auch eine kleine Phrasenverwaltung anbietet und bin bereits mit diesem Effektivitätsgewinn sehr zufrieden. PhraseExpress geht allerdings über die einfache Phrasenautomatisierung hinaus. Es können spezielle Tastenfolgen so Programmiert werden, dass automatisch bestimmte Haken gesetzt oder auch Texte in mehrere Textfelder (beispielsweise in Formularen) in einem Rutsch eingegeben werden. In der neuesten Version soll PhraseExpress sogar automatisch erkennen können, wenn man mehrfach dieselbe Phrase verwendet und schlägt dann auf Wunsch diese Phrase zur Aufnahme in die Bibliothek vor. Wer sich genauer informaieren möchte, dem sei die Joachims Artikelreihe zu PhraseExpress empfohlen. Darüber hinaus kann man PhraseExpress für die kostenpflichtige kommerzielle Nutzung mit einem Rabatt über seine Seite erhalten.

Im Anschluss demonstrierte Oliver Ueberholz von mixxt wie er Informationsmanagement betreibt speziell um Material für Blogartikel zu sammeln. Der Kerl scheint so manches automatische Aggregationstool um Längen zu schlagen. Ich glaube nicht, dass ich mein persönliches Informationsmonitoring so weit wie er treiben möchte. Allerdings ist rückblickend betrachtet diese Session mein absoluter Favorit des Wochenendes und ich nehme ich jede Menge Anregungen mit. Oliver ist dafür verantwortlich, dass ich mich nun doch intensiver mit TiddelyWiki beschäftigen werde. Trotz der für meinen Bedarf passenden Funktionalitäten des Tools, hinderte mich bisher mein Mehrfach-PC-Setting an einem effektiven Einsatz im Alltag. Oliver wies nun auf die Möglichkeit hin per Plugin nicht nur eine Serveinstallation des Tools zu erreichen, sondern auch eine (rudimentäre) Syncfunktion nutzen. So lassen sich die TiddelyWiki Daten auf den Server laden und am Heim- oder Mobil-PC wieder herunterladen. So lässt sich das Tool auch von mir sinnvoll nutzen. Er sagte zu zur Session noch einen Blogeintrag zu verfassen und ich hoffe er schafft es 😉 ! Falls jemand die Gelegenheit hat auf einem anderen BarCamp an einer ähnlichen Session von ihm teilzunehmen, sollte er sich die Gelegenheit keineswegs entgehen lassen.

Nach einigem Experimentieren mit TiddlyWiki in den letzten Tagen bedauere ich, dass Oliver nicht genauer auf seine Art der Handhabung von TiddlyWiki eingegangen ist (wobei das sicherlich zu weit geführt hätte für die Session). In seinem Blog findet sich nichts zu dem Thema und anderweitig bin ich ebenfalls noch nicht fündig geworden.

Zu guter letzt konnte ich noch einige Worte mit Tobias Jordans zum Thema MacBook vs Tablet PC wechseln. Er nutzt aktiv ein Think Pad Tablet PC (etwas was er übrigens sehr empfahl: wenn Tablet PC dann am besten ein ThinkPad) und hat gleichermaßen Erfahrung in der MacBooknutzung. So klasse diese Erfahrungen aus erster Hand für mich waren, die Entscheidung zwischen MacBook und Tablet PC ist für mich immer noch nicht leichter geworden.

Bei der Wanderung vom Stilwerk zur S-Bahnstation ergab sich noch die Gelegenheit für ein nettes Gespräch mit Michel Simon. Das ist eines der wenigen Dinge, die ich bzgl. der Veranstaltung bedauere. Ich hätte mich gerne noch viel mehr mit den anderen unterhalten, aber zwei Tage sind, wenn man die Sessions ausgiebig nutzt, nicht viel Zeit.

Summa Sumarum ein klasse Event! Geballte Information und jede menge interessanter Personen. Ich habe mir zumindest vorgenommen, wenn es demnächst wieder ein BarCamp in der nördlichen Region gibt, werde ich mich bemühen wieder teilzunehmen.

Den wohlverdienten Dank an die Organisatoren will ich kurz halten:

Großes Lob und vielen Dank für das tolle Event!

So, und nun muss ich sehen wie ich ohne Wochenendruhe über die Woche komme. Daher bin ich mit meinem Artikel auch so spät dran 😉 .

PS: Wer mehr zum WordCamp lesen, wissen, ansehen und anhören will schaut einfach hier nach.